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  "date": "2020-12-27T16:20:00+01:00",
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  "slug": "rc3-11493-berg-karabach_zwischen_krieg_und_frieden",
  "title": "Berg-Karabach zwischen Krieg und Frieden",
  "subtitle": "Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan im S\u00fcdkaukasus",
  "track": "Ethics, Society & Politics",
  "type": "Talk",
  "language": "de",
  "abstract": "Im Zuge des diesj\u00e4hrigen rC3 Events soll der Konflikt um die Region Berg-Karabach in diesem Vortrag aufgearbeitet werden. Der seit 26 Jahren andauernder Konflikt entwickelte sich im September diesen Jahres in einen zwischenstaatlichen Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan, der drastische Sch\u00e4den verursachte. Es befinden sich \u00fcber 75.000 Menschen aus den Kriegsgebieten auf der Flucht, ohne Heimat und ohne Eigentum, und eine humanit\u00e4re Katastrophe wird mit jedem Tag wahrscheinlicher. Woran es dem Konflikt fehlt ist klar: Transparenz und Sichtbarkeit. Der Vortrag ist in drei Hauptteile gegliedert. Im ersten Schritt werden die involvierten Akteure und ihre Positionen analysiert. Danach sollen technische Entwicklungen Armeniens und Aserbaidschans sowie der Kriegsverlauf evaluiert werden, um in einem dritten Teil realistische L\u00f6sungsans\u00e4tze zu betrachten, die auf eine langfristige Deeskalation des Konfliktes abzielen. Die \u00fcbergeordnete Frage lautet, welchen Einfluss der Konflikt um Berg-Karabach auf die internationale Ordnung hat.",
  "description": "Berg-Karabach zwischen Krieg und Frieden\r\nDer Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan im S\u00fcdkaukasus\r\n\r\nvon Larissa Willamowski\r\n\r\nAm 27. September 2020 eskalierten Kampfhandlungen armenischer und aserbaidschanischer Truppen in S\u00fcdkaukasus innerhalb weniger Tage zu einem zwischenstaatlichen Krieg (St\u00f6ber 2020). Dieser Ausbruch kommt erschreckend, wenn auch nicht \u00fcberraschend, zumal sich die Beziehungen beider Staaten in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert haben (Gasparyan 2019). Sechs Wochen hielten die blutigen Auseinandersetzungen an, bis in der Nacht vom 9. auf den 10. November unter der Vermittlung des russischen Pr\u00e4sidenten Vladimir Putin bei einem zweiten Versuch ein neuer und, bis heute, weitestgehend eingehaltener Waffenstillstand ausgehandelt werden konnte (St\u00f6ber 2020). Im Zuge des diesj\u00e4hrigen rC3 m\u00f6chte ich den wiederaufgeflammten Konflikt um die Region Berg-Karabach in einem Vortrag aufarbeiten. Ich argumentiere, dass mehr Sichtbarkeit und Transparenz f\u00fcr diesen Konflikt geschaffen werden muss, was sich erstens durch die Involvierung von Regionalm\u00e4chten, wie der T\u00fcrkei, und Gro\u00dfm\u00e4chten, allem voran Russlands, begr\u00fcndet (Abushov 2019). Auch die Rolle des Westens soll beleuchtet werden, denn daraus folgt, dass dieser regionale Konflikt eben doch auf die internationale Ebene r\u00fcckwirkt. Zweitens ist die Erh\u00e4ltlichkeit von Informationen vor Ort sehr eingeschr\u00e4nkt. Deshalb wird durch den Vortrag versucht, durch journalistische Beitr\u00e4ge einen Mehrwert f\u00fcr die Informationsbeschaffung zu leisten. Das soll der Vermischung der Narrativen der Akteure entgegenwirken. Drittens beschuldigen sich die Konfliktparteien des Bruchs des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts durch den Beschuss ziviler Ziele. Das Schweigen der internationalen Gemeinschaft zu diesen Vorw\u00fcrfen ist zu laut, um nicht auf diesen Punkt aufmerksam zu machen. Viertens stellt sich nach einer, aus armenischer Sicht, zerschmetternden Niederlage Armeniens die Frage, wie es nach dem Krieg weitergehen soll. Was passiert mit den mehr als 75.000 Menschen vor Ort, die aufgrund des Krieges ihre Heimat verloren haben und sich auf der Flucht befinden? Realistische L\u00f6sungsans\u00e4tze die auf eine Vermeidung einer Re-eskalation des Konflikts abzielen und die die katastrophalen Umst\u00e4nde vor Ort in den Vordergrund r\u00fccken, m\u00fcssen \u00f6ffentlich diskutiert werden.\r\n\r\nUrspr\u00fcnge des Konfliktes: \r\nDer Bruch der UdSSR f\u00fchrte zu gravierenden Struktur\u00e4nderungen im internationalen System, dessen Folgen der Region des S\u00fcdkaukasus bis heute nicht erspart bleiben. 1991 eskalierten bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan in einem dreij\u00e4hrigen Krieg. Konfliktgegenstand ist damals so wie heute die Region um Berg-Karabach. \r\nRussland schaffte es in seiner Rolle als OSCE Mediator die Konfliktparteien im Mai 1994 zu einem Waffenstillstandsabkommen zu bewegen (Abushov 2019). Dieses Abkommen stellt einen wichtigen Moment dar, denn seit jeher konnte selbst nach 26 Jahren intensiver Friedensverhandlungen unter der Aufsicht der Troika Gruppe (RU, FR, USA) nicht mehr garantiert werden, als die blo\u00dfe Weiterf\u00fchrung eines Waffenstillstandes. Basierend auf dem fortw\u00e4hrenden \u201eno war \u2013 no peace\u201c Status warnen Forscher*innen seit Jahren vor einem erneuten Aufflammen eines bewaffneten Konfliktes (\u00d6zkan 2008). Diese instabile Grundlage ist einer der vielen Gr\u00fcnde, weshalb zun\u00e4chst im Juli und sp\u00e4ter im September 2020 bewaffnete Gefechte wiederaufflammten. Die Gegenst\u00e4nde des Konfliktes sind nach wie vor territoriale und ethnische Streitigkeiten um Berg-Karabach und angrenzende Gebiete (St\u00f6ber 2020). \r\n\r\nAufbau des Vortrags:\r\n1.\tAkteurs Identifizierung: Who is fighting whom?\r\nUm zu verstehen wieso der Konflikt erneut in einem Krieg endete, werden zun\u00e4chst die Positionen der Hauptakteure analysiert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Rivalit\u00e4t zwischen Aserbaidschan und Armenien und die Position Berg-Karabachs als de-facto Staat ohne internationale Anerkennung. In einem zweiten Schritt stelle ich mir die Frage, welche Rolle und Interessen internationale Akteure wie Russland, die T\u00fcrkei und der Westen im Konflikt verfolgen. Auch internationale Organisationen wie die OSZE und die Minsk Gruppe spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. \r\n2.\tTechnische Entwicklungen und Kriegsverlauf\r\nIn diesem Teil wird diskutiert, wie (technischen) Kapazit\u00e4ten der Kriegsparteien den Verlauf des Konfliktes beeinflusst haben. Zun\u00e4chst werden die Kapazit\u00e4ten beider Staaten gegen\u00fcbergestellt. Au\u00dferdem evaluiere ich den Zusammenhang der jeweiligen Verteidigungsbudgets der Staaten und der wirtschaftlichen Performance der Staaten. In einem zweiten Schritt kann bei einem genauen Blick auf den Kriegsverlauf gezeigt werden, welche Technologien entscheidende Auswirkungen auf den Kriegsverlauf hatten. \r\nArmenien und Aserbaidschan beschuldigen sich gegenseitig des Bruchs humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts durch den Beschuss ziviler Ziele. Durch die vorangegangene Analyse soll gekl\u00e4rt werden, inwiefern die Vorw\u00fcrfe best\u00e4tigt werden k\u00f6nnen. \r\n3.\tNeue Friedensverhandlungen\r\nWenn Armenien und Aserbaidschan bis heute unter internationaler Vermittlung nicht in der Lage waren das Waffenstillstandsabkommen auf ein l\u00e4ngerfristiges Friedensabkommen auszuweiten, wie hoch ist dann heute die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Ziel umgesetzt wird? Dieser Teil bettet die analysierten Positionen und Narrativen der Kriegsparteien in den Kontext der internationalen Friedensvermittlungen. Ist ein Friedensabkommen dieses Mal wahrscheinlicher als vor 16 Jahren? Welche Aspekte soll ein zufriedenstellendes Abkommen beinhalten?\r\n\r\nLiteraturverzeichnis:\r\nAbushov, Kavus (2019). Russian foreign policy towards the Nagorno-Karabakh conflict: \r\nprudent geopolitics, incapacity or identity?, East European Studies, 35(1),72-92.\r\nSt\u00f6ber, Sylvia (2020). Ein historischer Tag im S\u00fcdkaukasus, Tagesschau, Link: \r\nhttps://www.tagesschau.de/ausland/armenien-aserbaidschan-bergkarabach-101.html (aufgerufen am 19.11.20)\r\n\u00d6zkan, Behl\u00fcl (2008). Who gains from the \u201eNo War No Peace\u201c Situation? A critical analysis of \r\nthe Nagorno-Karabakh conflict, Geopolitics, 13(3), 572-599.\r\nGasparyan (2019). Understanding the Nagorno-Karabakh conflict: domestic politics and \r\ntwenty-five years of fruitless negotiations 1994-2018, Caucasus Survey, 7(3), 235-250.\r\n\r\n\r\n",
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